Im Rittersaal des Schloss Werdenberg wird ab der neuen Saison an Stelle des jetzigen Rittertisches eine neue riesige handgehobelte Tafel den Raum dominieren. Sie kann auch ganz einfach auseinandergenommen und versorgt werden, wenn der Raum für Veranstaltungen gebraucht wird.
ZUSAMMEN TAFELN
Wie war das eigentlich früher mit dem Essen? Hatte man immer schon einen Tisch im Haus? Und wie war das in einer Burg beim Grafen?
Das Wort «Tisch» leitet sich vom althochdeutschen tisc ab, ein Wort, das seinen Ursprung im griechischen diskos hat, und also Scheibe bedeutet (das Wort «Schüssel» ist davon abgeleitet). Dies lässt den Schluss zu, dass früher alle direkt aus einem Gefäss gegessen haben. Irgendwann stellte man dieses wohl auf vier Beine, und so entstand der Tisch.
Mit der Rittertafel hingegen ist es anders: Diese ist eine tabula, also ein einfaches Brett. Genauso ein Brett, aber entsprechend gross und von Hand gehobelt, wird neu den bisherigen Rittertisch auf Schloss Werdenberg ersetzen. Ein lokaler Schreiner hat aus einer Föhre aus Vilters eine sieben Meter lange Tafel gezimmert, die sich ohne Schrauben und Leim aus einzelnen Brettern zusammenfügen lässt.
Setzen Sie sich mit an die Tafel des Grafen zu seinem Gefolge! Lauschen Sie dem entsprechenden Hörspiel und lassen Sie sich ganz in die Zeit von damals versetzen.
Wollen Sie sich als offizieller Gast des Schlosses auf der Rittertafel verewigen? Gegen einen finanziellen Beitrag werden ihre Initialen, ihr Namen, oder sogar ihre Liebe mit einem Laserbrenner professionell eingraviert und hinterlassen so ihre Spur in den Museen Werdenberg.

Drei neue Sichtweisen auf Werdenberg
Drei neue Publikationen sorgen dafür, dass sich die historische Sichtweise auf Städtli und Schloss Werdenberg in Teilen grundlegend ändern, im Wesentlichen vor allem aber erweitern wird. Auslöser ist die Publikation zur Region Werdenberg von Autorin Carolin Krumm, erschienen in der Reihe «Kunstdenkmäler der Schweiz» der Gesellschaft für Schweizer Kulturgeschichte gsk, die sogenannten «Schwarzen Bände» (ein kleiner, animierter Blick ins Buch findet sich hier).
Zudem ist der Band zur Rechtsquellenforschung «Die Rechtsquellen der Region Werdenberg» von Sybille Malamud dieses Jahr erschienen.
Besonders aufschlussreich für die Museen Werdenberg, aber auch für Bewohnerinnen und Bewohner des Städtlis und Geschichtsinteressierte in der der Region ist das Buch «Werdenberg. Stadt im Mittelalter», das gerade eben im Verlag FormatOst erschienen ist. Die Aufsätze von Heinz Gabathuler, Sybille Malamud und Carolin Krumm erhellen die grossen Themen jeder werdenden Stadt: Bürger, Rechte, Bauten – so der Untertitel. Carolin Krumm ist es, die in den letzten Jahren mit grossem Engagement und Akribie der Baugeschichte des Städtli auf den Grund gegangen ist, und deren Forschungsmaterial vor allem die Grundlage zu diesem Buch gab.
Für die Museen Werdenberg als auch für die Sicht auf die Geschichte Werdenbergs hat dieser «Impact» an neuem, historischem Wissen insofern Folgen, als dass nun bisherige «Tatsachen» neu angesehen, differenziert ergänzt sowie teilweise vollkommen anders präsentiert werden müssen. Sei das in den Texten und Bildern, die die Museen transportieren, in der Vermittlung durch Führungen und Workshops sowie auch in weiteren Publikationen (z.B. für Schulen): Kurz zusammengefasst kann nicht mehr davon ausgegangen werden, dass das Städtli Werdenberg als besterhaltene Holzbausiedlung vor 800 Jahren aus einem Guss entstanden ist, sondern selbst eine Entstehungsgeschichte hat, die mit Einzelbauten aus Stein (teilw. auch Turmhäuser) sogar früher beginnt als bisher angenommen. Zudem werden Namen der Familien bekannt, die die Häuser nutzten und so in die Nähe der Grafen rücken. Des weiteren wird in dem neuen Buch geklärt, was eine Stadt zu einer Stadt macht und ob Werdenberg dem gerecht wird.
Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum es wichtig ist, Geschichte für die weitere Entwicklung einer Region aufzuarbeiten: Buchs als moderne Zentrumsstadt der Region blickt gerne auf das historische Zentrum, das aus fehlender eigener historischer Substanz das Städtli Werdenberg ist. Die Geschichte dieser kleinen Stadt sollte bekannt sein, um nicht so manchem Klischee anheimfallen zu müssen («Die kleinste Stadt der Schweiz» etc.), die einem gegenwärtigen Bewusstsein letztlich nicht dienlich sind.
Thomas Gnägi
Leiter Schloss und Museen Werdenberg
Eine →ausführliche Buchbesprechung der drei Publikationen ist am 24. November im St. Galler Tagblatt erschienen.